Zugegeben: Neu Delhi ist nicht die schönste aller Weltstädte. Mit einer Luftverschmutzung, die Delhi regelmässig in die Top Ten der verschmutzten Städte katapultiert und Abwasserkanälen, die im Monsun zu reissenden Flüssen werden, wird das Leben in Indiens Hauptstadt für viele zum Überleben. Vor allem für die Tausenden von Menschen, die auf der Strasse wohnen und das neue Delhi bauen. Mir ist Neu Delhi zur Heimat geworden, seit ich im Oktober 2009 meine Stelle als Südasien-Korrespondentin von Radio DRS angetreten habe.

Namaste!

Aufbruchstimmung herrscht auf dem Subkontinenten. Im Westen wird Indien oft in einem Atemzug mit Wachstum genannt. Ein neuer Markt, neue Chancen, neuer Reichtum. Die neue Mittelschicht in den Städten steckt bereits im Konsumrausch, kauft Autos, Flachbildschirme und Waschmaschinen. Indiens Hunger nach Rohstoffen wächst dabei unaufhaltsam. Und die Bergbau-Multis versprechen jenen Menschen auf dem Land, die ihnen den Rohstoff abtreten sollen, Wohlstand und Entwicklung. Werden diese Versprechen eingehalten?, habe ich mich gefragt, und bin in den rohstoffreichen indischen Gliedstaat Orissa gereist.


Die Reportagen dazu finden Sie im Blog und Podcast.

Neu Delhi ist auch mein Ausgangspunkt für Reisen auf dem Subkontinenten und in die umliegenden Länder, nach Afghanistan, Pakistan, Nepal, Bangladesch und Sri Lanka. Auf diesen Reisen sammle ich Geschichten und Geräusche, die ich zurück in Neu Delhi zu Reportagen verwebe. Die Radio-Reportagen finden Sie auf meiner Website in der Rubrik Podcast, als Einträge im Blog, als Bildstrecken unter Impressionen oder als Print-Beiträge bei den Publikationen. Falls Sie an Israel und Palästina interessiert sind, wo ich zuvor gearbeitet und gelebt hatte, finden Sie mehr zum Thema in den Publikationen und in meinem Buch „Checkpoint Huwara – Israelische Elitesoldaten und palästinensische Widerstandskämpfer brechen das Schweigen.“

Aufbruchstimmung dominiert auch in Afghanistan – vor allem bei den Nato-Truppen, die bis 2014 aus dem Land abziehen wollen. 2011 bin ich einen Monat durch Afghanistan gereist und habe mich eine Woche mit der amerikanischen Armee in Kandahar „einbetten“ lassen. Viele Soldaten standen vor Afghanistan im Irak im Einsatz. Sie sprachen von Angst, Wut und wie Gefühle abstumpfen, wenn man vor allem eines muss: funktionieren und einen unsichtbaren Feind bekämpfen.


Die Reportagen dazu finden Sie im Podcast und den Publikationen, Bilder in der Rubrik Impressionen.

Beim Aufbruch in Afghanistan versucht auch der Nachbar Pakistan ein gewichtiges Wörtchen mitzureden. Auf die Pakistani ist die Internationale Gemeinschaft in ihrem Versuch mit den Taliban zu verhandeln angewiesen. Schliesslich gilt Pakistan noch heute als sicherer Trainings- und Zufluchtsort für diverse militante Gruppierungen, die auch in Afghanistan kämpfen – auch ein Überbleibsel der Kalten-Krieg-Strategie des Westens. Damals gelangten milliardenschwere Waffenlieferungen über den ISI, den allmächtigen Militärgeheimdienst Pakistans, zu den Gotteskriegern, um die Sowjets zu bekämpfen. Aber als die sowjetischen Truppen 1989 abgezogen waren, verschwanden auch die Amerikaner – nicht aber die islamistischen Kämpfer. Sie hatten sich in der Region eingenistet und die pakistanische Armee und der ISI hofften, die Extremisten als politisches Instrument benutzen zu können. Zum Beispiel um sich Einfluss in Afghanistan zu sichern – bis heute und oft zum Leidwesen der eigenen Bevölkerung.


Die Reportagen dazu finden Sie im Podcast

Aufbruchstimmung ist in Sri Lanka nicht spürbar. Und das, obwohl der Krieg, den die sri lankische Armee gegen die Tamil Tigers im Frühling 2009 gewonnen hat, längst vorbei ist. In den tamilischen Gebiete im Norden der Insel hat Präsident Rajapakse Denkmäler für sich und seine Familie aufstellen lassen, den Sieg zementiert ohne den Tamilien mehr Rechte zu geben. Noch heute suchen Tausende von Tamilinnen nach ihren verschollenen Söhnen, Brüdern oder Ehemännern. Viele geben dabei ihr halbes Vermögen an Wahrsager, in der Hoffnung so ein Lebenszeichen ihrer Geliebten zu bekommen.


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Neu Delhi, April 2012